Die Legende vom Spucken

…oder: wie schnell man eine durchgekaute Möhre im Haar hat 🙂

 

Wenn man anfängt sich mit Alpakas zu beschäftigen ist das erste was man lernt: Spucken ist selten, wenn überhaupt dann nur untereinander und wenn sie spucken, dann nicht auf Menschen.

Unsere Erfahrung ist eine etwas Andere: unsere Alpakas spucken gern und viel. Innerhalb der Herde spuckt unsere Leitstute Morla die Anderen von Futternäpfen, Heunetzen oder einfach dem schönsten Platz im Unterstand weg. Dieses Spucken wird dann in der Herde, der Rangordnung nach, weitergegeben.

Auch wir haben schon öfter schöne Ladungen abbekommen: klar, steht man direkt daneben, wenn in der Herde gespuckt wird oder auch beim Scheren, Klauenschneiden oder Festhalten während der Tierarzt impft. Aber auch beim Füttern von Kraftfutter oder Leckerlies wurden wir schon angespuckt: sind wir nicht schnell genug und füttern „zu lange“ grad ein anderes Herdenmitglied, kann es vorkommen, dass der Futterneid sich auf uns entläd.

Die Konsistenz dabei ist abhängig davon, was gerade „vorhanden“ ist: einfache Spucke ist nicht schlimm und riecht kaum; hochgewürgtes Gras mit Magensaft dagegen, bringt uns zu einem schnellen Spurt unter die Dusche. Befindet sich grad eine Möhrenscheibe unter der Kauplatte, stinkt man nach dem treffsicheren Spucker zwar nicht, sieht aber eben aus, als wäre man in einen Möhrenhäcksler geraten.

 

Hier wollen wir noch einige andere wichtige Informationen über die Neuwelt-Kameliden geben:

Über das Basiswissen wie Merkmale, Herkunft, Geschichte, Fortpflanzung usw. kann man sich wunderbar über Wikipedia informieren: Klick

Wir wollen hier lieber einiges erklären, das man im täglichen Zusammenleben mit den Klein-Kameliden lernt. Überall im Internet findet man vielfältige Informationen über die Haltung von Alpakas. Über einige davon, haben wir eine recht kritische Meinung und wollen unsere Erfahrungen gerne teilen. Immer häufiger hören wir von Alpakas, die in nicht artgerechter Haltung leben müssen und von völlig überforderten Haltern; das muss und darf nicht passieren!

Wir sind hier auf dem Dorf zu einer ziemlichen Attraktion geworden und viele Besucher kommen gerne zu uns auf den Hof, um diese doch noch nicht so stark verbreiteten Tiere kennenzulernen.

Wir haben eine kurze Liste mit den häufigsten Fragen, die uns gestellt werden, erstellt:

Warum hält man die?

Weil sie einfach großartige Tiere sind!

Mit Alpakas zu leben, ist etwas sehr Besonderes. Sie sind nicht nur einfach schön anzusehen, von ihnen geht eine Ruhe aus, die sich sehr stark überträgt, wenn man sich darauf einlässt. Auch ihre Sprache zu hören ist einfach schön.

Sie sind außerdem perfekte Weidepfleger. Durch ihre Schwielensohlen sind die Trittschäden im Boden deutlich geringer als bei anderen Huftieren. Außerdem zupfen sie mit ihrer gespaltenen Oberlippe das Gras ab und beschädigen die  Grasnarbe nicht.

Und nicht zu vergessen: die Kotplatte! Ein weiterer Pluspunkt für Alpakas ist die Kotplatte, die sie anlegen. Bei sehr großen Weiden werden es durchaus auch mal mehrere dieser Plätze, aber zum Reinigen der Weiden ist es einfach toll, nicht umständlich die ganze Fläche absuchen zu müssen, sondern gezielt mit der Schubkarre 2 – 3 Stellen anfahren zu können.

Muss man die scheren?

Ja, die Alpakas werden einmal im Jahr, Ende April/Anfang Mai, geschoren. Es soll Halter geben, die ihre Tiere nur alle zwei Jahre scheren lassen. Das halten wir (außer bei alten oder kranken Tieren, deren Wolle nur noch sehr, sehr langsam wächst) für Tierquälerei. Bei hohen Temperaturen droht den ungeschorenen Tieren ein Hitzschlag.

Wir stellen unserer Herde im Sommer trotzdem noch einen großen Hundepool auf die Weide und spritzen die Alpakas zusätzlich zwischendurch mit dem Gartenschlauch ab. Unsere Tiere finden diese Abkühlung super.

Frieren die im Winter?

Nein. Alpakas werden so früh im Jahr geschoren, damit bis zur kalten Jahreszeit die Wolle wieder so dicht geworden ist, dass ihnen Kälte und Schnee nichts ausmachen.

Verkauft ihr die Wolle?

Nein. Die Rohwolle könnte zu hochwertigem Alpakagarn verarbeitet werden. Der Faserertrag beim Scheren eines Tieres liegt bei drei bis sechs Kilogramm pro Tier und pro Jahr, davon sind jedoch nur etwa ein bis drei Kilogramm nutzbar.

Da unsere Herde nun mal nicht aus 50 Tieren besteht und der Aufwand des Verarbeitens relativ groß ist, verkaufen wir die Wolle unserer Tiere nicht; es lohnt sich einfach nicht.

Aus der Wolle machen wir z.B. tolle Füllungen für Hundekissen, dafür muss die Wolle lediglich gewaschen werden: unsere Fellnasen lieben die wärmende, weiche Füllung.

Auch verschenken wir die Wolle zum basteln und filzen an Kindergärten, Schulen oder Menschen, die für gute Zwecke etwas daraus machen möchten.

Bei Interesse schreibt uns gerne an.

Kann man die essen?

Das ist tatsächlich die Frage, die uns am häufigsten gestellt wird.

Nun ist diese Frage für uns, als überzeugt vegetarisch/vegan lebende Menschen sowieso immer wieder ein kleiner Schock.

In ihren Ursprungsländern werden Alpakas tatsächlich auch gegessen. Hier in Deutschland haben Alpakas aber das Glück, noch so wenig verbreitet zu sein und die Anschaffungskosten meist so hoch sind, dass diese „Mahlzeit“ viel zu teuer wäre.

Wieviel Platz brauchen die?

Das vorgeschriebene Platzangebot der Weide beträgt 1000 qm² für 2 Tiere und für jedes Weitere 100 qm².

Wir würden aber zu mehr Fläche raten. Unserer Herde stehen drei Wechselweiden zur Verfügung. So können sich die jeweils grad nicht beweideten Flächen zwischendurch gut erholen. Auch um die Tiere bei Krankheit oder zum Absetzten von Fohlen räumlich trennen zu können, sind mehrere Weideflächen ratsam.

Trotz der deutlich über dem „Standard“ liegenden Fläche und unserer speziell für den Winter „aufgesparten“ Weide, kommt irgendwann in den Monaten, in denen kein Gras wächst, der Zeitpunkt, wo alle Weiden relativ kahl gefressen sind. Hier ist dann ein guter Heuvorrat gefragt.

Außerdem schneiden wir den Tieren im Winter auch immer wieder mal ein paar Tannenzweige, an denen sie knabbern können.

Muss man einen Unterstand/Stall haben?

Unterstand:ja / Stall: nicht zwingend erforderlich.

Ein windgeschützter Unterstand ist Pflicht. Unsere Tiere lieben ihre Unterstände: um sich vor der Sonne, dem Regen, Schnee oder zu starkem Wind zu schützen.

Ein Stall ist für Alpakas nicht vorgeschrieben und bei den meisten Haltern auch nicht vorhanden. Wir haben aber nunmal einen großen, ehemaligen Kuhstall und wollten diesen natürlich auch nutzen. Unsere Herde kommt abends in den Stall und morgens bei Sonnenaufgang wieder raus.

Unsere Tiere finden ihren Stall großartig: spätestens bei leicht einsetzender Dämmerung steht die ganze Herde laut „meckernd“ am Zaun und verlangt rein gelassen zu werden.

Für uns ist es auch einfach ein besseres Gefühl, wenn die Alpis die Nacht im sicheren Stall verbringen.

Was fressen die?

Die Hauptnahrung ist Gras, Gras und nochmal Gras. Die meiste Zeit des Tages verbringen Alpakas mit weiden. Auch Heu muss ihnen immer zur freien Verfügung stehen. In den Sommermonaten nehmen unsere Tiere relativ geringe Mengen an Heu zu sich, da unsere Weideflächen so groß sind, dass die Herde bei schnell wachsendem Gras kaum hinterher kommt. Im Winter ist der Heuverbrauch deutlich höher.

Das weitere Nahrungsangebot klären wir in der nächsten Frage:

Müsst ihr zufüttern?

Ja. Heu steht unseren Tieren immer zur Verfügung.

Außerdem bekommen unsere Tiere auch im Sommer ab und zu ein wenig „Alpaka.Müsli“ und Möhren als Leckerlie oder zum Bestechen bei anstehenden Behandlungen usw.

Und auf unseren Weiden stehen Obstbäume: Apfel-,Birnen- und Pflaumenbäume. Wir hören jetzt schon den Aufschrei einiger Verfechter der „Null-Obst-für-Alpakas-Theorie“, aber unsere Tiere dürfen ein wenig von dem Fallobst auch fressen. In Absprache mit unseren Tierärzten und mit einigem Ausprobieren haben wir festgestellt, dass Obst in nicht zu großen Mengen, weder zu Durchfall führt, noch die Tiere krank macht. Im Gegenteil- die Blutwerte sind sogar besser geworden.

Im Winter, wenn die Weiden abgefressen sind und das Gras nunmal nicht wächst, füttern wir regelmäßig Kraftfutter zu. Überall liest man, dass die größte Gefahr darin besteht, dass Alpakas sehr schnell „verfetten“ und man bloß kein Kraftfutter zufüttern soll, wenn sie nicht krank sind oder gerade ihre Fohlen säugen. Die häufigste Krankheits- und Todesursache bei Alpakas in Deutschland soll mittlerweile Unterernährung sein.

Auch Mineralien bekommen unsere Alpakas regelmäßig; im Sommer und im Winter.

Kann man auf denen reiten?

Bitte nicht! Auch Alpakas können Lasten tragen, natürlich weitaus geringere als Lamas oder gar Kamele. 

Es soll einen „Tierpark“ geben, in dem Kleinkinder auf Alpakas reiten dürfen. Diese Vorstellung allein ist grausam. Alpakas eignen sich keinesfalls als Reittiere!

Kann man die streicheln?

Ein klares: Jain 🙂

Alpakas sind keine Kuscheltiere (weswegen wir es besonders schlimm finden, wenn diese Tiere in „Streichelzoos“ leben müssen). Sie halten gerne eine gewisse Individualdistanz ein. Zwar kann man die Tiere natürlich streicheln, wenn man sie grad am Halfter hat. Einige scheinen ein sanftes Kraulen am Hals auch zu genießen aber am Kopf angefasst zu werden, mögen unsere Tiere definitiv nicht. Auf der Weide lassen sich unsere Alpis nicht streicheln.

 

Wer uns vielleicht auch mal besuchen möchte, kann sich über unser Kontaktformular melden und einen Termin mit uns absprechen. Wir gehen gerne mit euch auf die Weide und beantworten all eure Fragen. Auch eine kleine Leckerlie-Fütterung (bitte nichts mitbringen, wir haben immer was da) und damit direkter Kontakt zu unseren Tieren, machen wir mit euch.

Wen dabei vielleicht ein bißchen Alpaka-Spucke trifft, bekommt auch ein Handtuch von uns 🙂

Und natürlich könnt ihr gerne etwas Alpaka-Gold mitnehmen. „Alpaka-Kacka“ ist nämlich tatsächlich ein einfach perfekter Dünger.

 

 

 

Ein Gedanke zu „Die Legende vom Spucken

  1. Ihr Lieben,
    habe mich hier nun schlau gelesen, was nach meinem „Überraschungsangriff“ an Silvester bei euch, doch interessant war. Wünsche euch mit eurem Projekt ganz viel Glück.
    Mir hat der Kurzausflug auf die Weide viel Spass gemacht. Im Frühling, bei schönem Wetter, würde ich das gern wiederholen.
    Hannelore Dixon (Kassiererin im NP-Markt)

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